Racebericht

Fort William (SCO) WC #2

Jährlich grüßt das Murmeltier und so ging unsere Reise für die zweite Runde des Worldcups natürlich ins krasse Fort William. Ich glaube die kommenden Sätze schreibt und berichtet immer jeder, aber auch ich komme an diesen Sätzen nicht vorbei.
Zwar ist die Reise nach Fort William ein wirkliche Tortour und für uns in diesem Jahr doppelt so anstrengend, aber jede Sekunde, jeder Tag ist der Wahnsinn.

Stellt euch die Atmosphäre in Fort William ähnlich eines WM Stadions vor, ausverkauftes Haus, verrückte wilde Fans, Begeisterung pur und jeder Besucher kennt sich mit der Sportart aus. Und nun bist du auch noch Fahrer und darfst in deiner Quali/Rennen ins dieses verrückte Stadion einfahren. Selbst wenn du völlig am Ende bist, kaum noch Kraft hast diese lange Strecke zu überstehen, mobilisierst du die aller letzten Reserven und gibst alles um in diese Atmosphäre im Ziel einzutauchen. Ride like a Superstar!
Das schöne und wirklich tolle, jeder Fahrer wird ins Ziel gebrüllt und das Publikum ist so unglaublich Fair und toll. Fahrt nach Fort William, gönnt euch danach noch wunderschöne Tage in den Highlands und genießt die Vielzahl toller Trailparks. Ihr kommt zurück und habt bis zum Ende eures Lebens ein tolle Geschichte zu erzählen, vielleicht ähnlich wie die meinige, die ich euch gerne erzählen möchte!

Ich spule kurz zu Tag eins, der Anreise zurück. Mein Flieger landete gegen 12 Uhr in Edinburgh, das liegt ca. 3 Std von Fort William entfernt.
Marc war bereits einen Tag früher angereist und verweilte in Edinburgh und wartete auf meine Ankunft. Zeit war ausreichend zur Verfügung, denn Till und Simon landeten erst gegen 17.30 Uhr.
Nach einer ausgiebigen Sightseeing Tour durch die Hauptstadt Schottlands, begrüßten wir die Jungs am Flughafen. Mietfahrzeuge abholen und die Jungs fuhren direkt weiter nach Fort William.
Marc und ich durften nun noch auf Paula warten. Paulas Flug aus München sollte um 23.15 Uhr landen, also noch ganze 5 Std.
Was fangen wir mit dieser Zeit an? Irgendwo warten? Wieder zurück in die Stadt?
Wir holten unser zweites Mietfahrzeug und entschieden uns zu warten, im Schnellrestaurant, vorm Schnellrestaurant, eine unglaublich langweilige Zeit des Wartens begann.
Wie es dann natürlich kommen musste, klingelte das Telefon. „Unser Flieger hat voraussichtlich mindestens 1 Std. Verspätung, wir landen erst gegen 00.15 Uhr.
Grauenvoll, noch eine weitere Stunde länger warten und dann noch die Fahrt durch die Highlands bei Nacht. Davor hatte ich am Meisten Respekt, zu viele Tiere schlendern Nachts am Straßenrand durch die Highlands und oft genug sahen wir viele tote Tiere am Rand.
Aber was blieb uns anderes übrig!
Nach unserer Schlacht des Wartens konnten wir nun endlich Paula am Flughafen einsammeln und die 3 Std. Autofahrt in Angriff nehmen.
Wie vorhergesehen wurde die Fahrt nach Fort William unglaublich anstrengend, die Müdigkeit holte mich irgendwann ein, die Konzentration auf den Straßenrand und dann noch dieses links fahren…
Lediglich die Dunkelheit hielt sich in Grenzen, gegen Mitternacht wurde es erst dunkel und bereits ab 2.30 Uhr in der Nacht begann die Helligkeit langsam wieder zurückzukommen.
Fort William ist weit im Norden, die Nächte sind gruselig kurz.
Der erste Tag in Fort William sollte auf Grund der langen Anreise zu einem Kraftakt werden, die Müdigkeit kam immer wieder durch und die Koffeinzufuhr stieg beängstigend an;-)

Auf Grund unseres geringen Budgets beschlossen wir ohne unser Setup anzureisen, Kosten und der Zeitfaktor wären dann nochmals höher gewesen. Die einzige Fähre startet bereits Montags von Amsterdam, so waren wir super Dankbar das Irm und seine Racing Dudes einiges an Equipment von uns in ihrem Transporter mitnahmen.
Mittwoch stand dann wie üblich der Trackwalk auf dem Programm und das optimieren und richten der Bikes. Normalerweise würde man denken, dass dieser Tag sehr relaxed von statten gehen würden. Leider ist dem nicht so, der Aufwand die Bikes wieder perfekt auf Vordermann zu bringen ist zeitlich sehr hoch und da wir mit 3 Fahrern anreisten, war Tag 1 auch schnell ausgelastet.
Unsere Trainings verliefen ohne große, nennenswerte Ereignisse, so dass am Samstag die Spannung für die Quali enorm anstieg. Paula war unglaublich nervös, konnte ihre Anspannung nur schwer unterdrücken. Die Strecke ist so unglaublich lang, hart und anspruchsvoll, dass Paula nicht mal wusste ob sie die Power für diese lange Strecke besitzen würde.

So verlief auch Paulas Qualifikation. Super langsam, unkontrolliert und voller Fehler. Sauer kam sie ins Ziel mit einer einzigen guten Nachricht. Die Power reicht locker und morgen kann ich mehr Gas geben.
Simon und Till kannten die Strecke bereits aus dem letzten Jahr und die Änderungen waren marginal, nur ging es in der Quali bereits um die Wurst, es musste sich für den Rennsonntag qualifiziert werden!
Simon war gut unterwegs und sehr zuversichtlich unter die letzten 20 Fahrer zu kommen, zumal er auch mit Startnummer 10 unterwegs war. So war seine Quali auch sehr präzise und die Eintrittskarte für den Rennsonntag gebucht.
Till hatte wiedermal eine Mammutaufgabe vor sich, die Quali in der Elite ist extrem hart und nicht ansatzweise mit seinem Juniorenjahr vergleichbar. Er wollte und musste die TOP 60 knacken und wenn man die Startlisten des WC betrachtet, tauchen nur bekannte Gesichter auf. Namen wir Phil Atwil, Wyn Masters kämpfen in diesem Jahr um die letzten Plätze der Startliste. Da ist es für Till ein großes Unterfangen das Ticket für Sonntag zu buchen.
Leider gelang es Till nicht, er bekommt beim WorldCup nicht die notwendige Konstanz in seine Rennläufe. Wir müssen weiter hart arbeiten!
Das Ziel dieses Jahr ist erstmal Erfahrung in der Elite zu sammeln und das erste, wirklich harte Jahr zu überstehen ohne völligst frustriert zu sein. Aber dennoch ist unser Ehrgeiz groß und wir wollen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln das Ticket dieses Jahr buchen.

SO gingen wir mit zwei Fahrern in den Rennsonntag. Die erste Anspannung legte sich und alle freuten sich nun auf das Finale in den frühen Morgenstunden des Sonntags. Die Juniorinnen starten bereits am 9.30 Uhr und die Junioren ab 10.30 Uhr.
Paula war wieder nervös, aber Nervosität muss nicht schlechtes bedeuten, im Gegenteil. Ich war glücklich über Paulas Nervosität, das garantiert das Paula 100% abrufen kann und einen guten Lauf ins Ziel bringen würde. Wir wärmten uns gemeinsam auf und ich ließ Paula erstmal völligst in Ruhe. Sie sollte die zeit nutzen, um sich voll und ganz auf die Strecke zu konzentrieren. Mukke auf und auf der Rolle warm fahren, mehr nicht. Erst 10 Minuten vor Startbeginn ging ich auf Paulas Unsicherheit ein, wir sprachen und es gelang mir nochmals auf Paula einzugehen. Wir beide waren zuversichtlich und es kam, wie vorhergesagt. Paulas Nervosität
Verflüchtigte sich in dem Moment, wo sie in die Pedale trat.
Am Ende schaffte Paula zwar keinen perfekten Lauf, sie stürzte in der neuen Steinsektion und verlor dort wichtige Zeit. Da ihre Kontrahentinnen ebenfalls nicht ohne Sturz durchs Ziel kamen, reichte es für Paula auf Rang 2. Und das in Fort William, die wohl physisch härteste Strecke. Ihr wusste in dem Moment gar nicht wo hin mit mir und meiner Freude. Ich war vor allem stolz auf Paula, dass sie ihre Nervosität so perfekt ummünzen konnte.
Unser erstes WorldCup Podium war geschafft. Nie wäre es mir die Jahr über in den Kopf gekommen, dass wir mal auf höchster Ebene des Sports auf dem Podium platz nehmen dürfen. Wahnsinn! Vielen Dank liebe Paula für diesen besonderen Moment.

Simon war ebenfalls gut drauf und er kann enorm gut mit solchen Situationen umgehen. Dennoch wuchs Simon über sich hinaus und schaffte es erstmals unter die TOP 10. Am Ende rockte er Fort William und landete auf einem 8. Platz und somit die beste Platzierung ever im Worldcup für Simon.

Unsere Reise ging nun langsam zu Ende, aber wir mussten noch diese Atmosphäre genießen und die eskalierte im Finale völligst. Reece Wilson, seines Zeichens Schotte, schaffte die Überraschung des Wochenendes und landete auf Rang 5. Ausnahmezustand in Fort William!

Montag stand unsere Heimreise auf dem Programm. Es blieben uns zwei Tage ein wenig zu regenerieren, um dann Richtung Loegang zur #3 des Worldcups aufzubrechen.

Rennüberblick

Name Startnr. Klasse Run # Punkte Zeit

Bilder vom Renntag