Racebericht

Willingen (GER) GDC #2

Und schon ist eine Woche vergangen und wir befinden uns aktuell in Willingen beim Bike-Festival und der #2 des GDC.
An dieser Stelle sei schon mal vorweggenommen, dass es ein extrem krasses Wochenende für uns war. Ein sehr positives Wochenende, aber auch leider mit einer Verletzung.
Ich ging ebenfalls nochmals an Start, aber eher um die beiden Brüder Luis und Henri zu unterstützen, gemeinsam mit ihnen zu trainieren, Linien zu finden und sie langsam an die Strecken des GDC heranzuführen. Gemeinsam mit Henri überlegten wir im Vorfeld, ob es sinnvoll wäre in so jungen Jahren bereits in den GDC herein zu schnuppern.
Da Henri aber zum einen extrem erfolgreich beim RDC ist, er auf der anderen Seite ein sehr kluger, bedachter Fahrer ist, der unheimlich selten stürzt, fiel uns die Entscheidung nicht schwer. Henri sollte es mal versuchen, sich im GDC zu behaupten.
Leider ging Henri bei seinem ersten Zeitlauf unglücklich hart zu Boden. Sein Vorderrad fand nicht den notwendigen halt, rutschte weg und Henri ging mit dem Oberkörper auf den Vorbau. Er konnte das Bike nicht halten und überschlug sich.
Der Sturz war heftig. Von unten konnten wir erkennen, dass Henri wohl gestürzt ist. Ich rannte auf der Stelle den Berg hoch und fand Henri fluchend am Streckenrand. „Patrick, es tut mir so leid. Ich bin so dumm! Schau dir mal mein Bein an, ich kann es nicht drehen“
Die Sanitäter waren bereits bei Henri und der Streckenarzt war ebenfalls auf den Weg. Wir mussten Henri leider mit der Trage ins Krankenhaus bringen.

An dieser Stelle erstmal einen großen Dank an die ganzen Helfer, die Rennen für Rennen, Jahr für Jahr uns verarzten. Selbst wenn sie häufig mit dem Kopf schütteln, sind sie immer da und ermöglichen überhaupt, dass solche Veranstaltungen stattfinden.
Die Diagnose fällt in Anbetracht des heftigen Sturzes relativ glimpflich aus. Oberschenkel wurde eingerenkt, keine weiteren Verletzung und das rechte Schlüsselbein ist glatt, unkompliziert gebrochen. 4 Wochen Pause, eigentlich die schlimmste Nachricht für Henri. So eben erhielt ich auch eine Nachricht von Henri: „Aus Fehlern lernt man und ich komme stärker zurück als je zuvor“

Springen wir aber mal zu den deutlich schöneren Momenten des Wochenendes, und von diesen gab es reichlich!
Das Training sowohl am Freitag als auch am Samstag verlief ohne nennenswerte Ereignisse. Strecke war bekannt, geringe Änderungen, oben sehr physisch und schnell, im unteren Teil technischer.
Am Samstag stand bei bestem Wetter die Quali auf dem Programm. Die Gefühle der Jungs konnten kaum unterschiedlicher sein. Luis hat auf Grund seines geringen Körpergewichts einige Probleme mit dem oberen Teil. Er kam nicht wie gewünscht auf das notwendige Tempo. Simon liebt die Strecke, brauchte nicht allzu viel Training und war sichtlich entspannt. Till mag die Strecke nicht sonderlich. Seine technischen Vorteile kann er hier nur wenig zur Geltung bringen. Daher war ich sehr gespannt auf die Resultate des Seedings.
Luis startete als erster und brachte einen soliden Lauf ins Ziel und war sichtlich glücklich mit seinem 5. Platz und versprach noch Luft nach oben.
Simon kam super durch, war äußerst zufrieden mit seinem 2. Platz. `Hauptsache nicht als letzter am Finaltag starten` war seine Antwort.

Till kam relativ gut durch, kam völlig ausser Atem ins Ziel und war trotz diverser Fehler zufrieden mit seinem 7. Platz. „Da geht morgen noch einiges“.

Entspannt und hoch motiviert gingen wir wieder bei strahlenden Wetter in den Rennsonntag. Die Anspannung stieg bei mir extrem. Ich hasse diese Nervosität und diese Machtlosigkeit! Mir blieb nur das Warten und Daumen drücken. Angespannt lief ich im Zielbereich umher, immer wieder ein gespannter Blick hoch auf die Strecke, da tauchte auch schon Luis auf. Krass, der ist gut unterwegs. Alter, richtig gut! Die Uhr blieb bei 2:09 Minuten stehen, ganz knapp hinter dem Führenden. Hammer! Luis strahlte über beide Ohren, er war zufrieden und glücklich.
Ab auf den Hotseat und warten und warten…
Am Ende sollte es zu einem unglaublichen 2. Platz reichen und das auf dieser Strecke. Für die Jungen ein echter Kraftakt und unglaublich anstrengend. Alle waren stolz auf Luis und er hat noch etwas viel Bedeutenderes geschafft. Er hat allen gezeigt und nun auch bewiesen, dass es da draußen zwei hoch talentierte, hoch motivierte und unglaublich liebenswerte Kiefers gibt. Mit diesem Ergebnis hat sich Luis nun endgültig aus dem Schatten seines Bruders gelöst und wir alle werden in Zukunft noch viel von dem schnellsten Geschwisterpaar Deutschlands hören. Ganz tolle und verdiente Leistung!

Aber ausruhen galt für mich nicht, oben standen nun schon die U19 im Startblock und das nervöse umher rennen begann aufs neue. Die U19 war mit über 60 Startern relativ groß, so dass mir doch noch ein wenig Zeit blieb Luis 2. Platz innerlich zu konsumieren. Fahrer für Fahrer kam den Berg hinunter und langsam ging es in die TOP 10. Verdammt, da ist sie wieder, diese unbändige Nervosität. Die letzten Fahrer waren richtig schnell unterwegs. Oh man, ob Simon das schaffen würde.
Nun ging es an den Puls, Simon war auf der Strecke. Warten, starren an den Berg und da tauchte er auf. Das sieht gut aus, richtig gut. Er schoss über die letzte Kurve, ein letzter Sprint und….
Die Uhr blieb auf grün, Hotseat. Aber es kam noch ein Fahrer, der Sieger des Seedingruns. Er tauchte oben auf, ein kurzer Vergleich zwischen Uhr und Position. Das sollte reichen!
Simons erster Sieg in der U19 war in Stein gemeisselt, Hammer geiles Gefühl. Zwei SRAM Young Guns Fahrer und bereits 2 x Podium, unglaublich.

Ein kleiner Augenblick des Verschnaufens blieb mir. Die Eliteklasse ging auf die Strecke, aber bis Till sich aus dem Startblock katapultieren würde, war noch ausreichend Zeit. Meine Nerven brauchten dringend eine kurze Pause. Aber die beiden bisherigen Ergebnisse erlaubten mir meine Nervosität etwas zu verdrängen. Freude, Stolz und Nervosität ergibt schon eine lustige Mischung.

Nun ging es aber ans Eingemachte, die TOP 10 machte sich auf die Strecke. Waren die alle heiß, die Jungs gaben richtig Gas und die Top Zeiten purzelten von Fahrer zu Fahrer unter die 2 Minuten Marke. Das wird ein hartes Rennen. Mittlerweile war die Bestzeit bei 1:57 Minuten, bereits jetzt schneller als jeder Junior. Nun ging Till endlich auf die Strecke. Ich kenne Till schon lange, weiß was er alles auf dem Bike kann, nur es endlich mal wieder ins Ziel bringen. Andere Gedanken tauchten nicht mehr auf. „Komm Till, du packst das“
Die letzten Rennen ging es bei Till stetig Berg auf. Wir haben viel gesprochen, das Bike optimiert und diesmal sollte sogar das Wetter halten.
Da tauchte Till aus dem Wald auf, krass ist der schnell. Jetzt kam noch die Wellensektion, die technisch bei hohem Speed sehr anspruchsvoll war. Auch gemeistert, scheinbar mega gut. Ab über den letzten Sprung, die Strecke war so trocken, das Till ein fette Staubwolke hinter sich zog. Rein in die letzte Kurve und sprinten was das Zeug hielt. Wo blieb die Uhr stehen?
Krass, unter 1:57 Minuten und somit Hotseat. Der tollste Platz auf dem gesamten Festival! Die letzten 6 Fahrer gingen nun auf die Strecke, fast alle bissen sich die Zähne an Tills Zeit aus. Am Ende fuhr lediglich Faustin Figare noch schneller als Till.

Platz 2. in der Elite, in seinem zweiten GDC direkt auf das Podium, unglaublich. Ich schrie vor Freude. Drei Fahrer und direkt dreimal Podium, das gab es noch nie. Ich war stolz, so unglaublich stolz. Das Gefühl ist unbeschreiblich. Meine Jungs, der tollste Nachwuchs, die feinsten Kerle und alle so wahnsinnig talentiert, zeigten was in ihnen steckt. Vielen Dank für diese Augenblicke. Darauf habe ich immer hin gearbeitet…

Eine Frage stellt sich mir noch. Was passiert eigentlich mit meinem Team, wenn wir vollzählig sind? Wenn Moritz wieder voll genesen ist und er endlich zum Team stößt. Ich freue mich auf die kommenden Wochen und ganz besonders freue ich mich, wenn Moritz wieder bei uns ist!

Rennüberblick

Name Startnr. Klasse Run # Punkte Zeit
Simon Maurer Pro Junior U19 male Seeding-0folgt
Simon Maurer Pro Junior U19 male Final-0folgt

Bilder vom Renntag