Racebericht

Winterberg (GER) GDC #1

Wir reisten in diesem Jahr mit dem kompletten Team nach Winterberg zum Dirtmasters. Paula reiste extra aus Österreich an, um in der Elite Kategorie anzugreifen. Zwar ist sie noch Juniorin, aber sie wollte sich in Winterberg gerne mit den Damen messen. Nachdem sich Henri mit zwei überaus erfolgreichen Jahren in der U13 verabschiedete, ging es für ihn erstmals in der U15 an den Start. Es war klar, dass die Konkurrenz in dieser Klasse deutlich höher anzusiedeln sei. So waren wir uns alle sicher, dass Henri nicht mit der selbigen Dominanz die Rennen runter spulen würden.
Sein großer Bruder Luis ging ebenfalls in die nächst höhere Klasse und startet erstmalig mit uns beim GDC/EDC in der U17 Lizenz Klasse. Die Konkurrenz ist in der U17 nochmals deutlich höher und auch der körperliche Vorsprung vieler Athleten ist immense. So soll Luis sich erstmal in der U17 zurechtfinden und sich langsam an die Top 3 heran kämpfen. Simon startet wie im vergange-nen Jahr letztmalig in der U19, wo er bereits in Losinj (Kroatien) mit seinem 10. Platz bei WC ein erstes Ausrufezeichen setzen konnte.
Till hat sich nun endgültig aus den Junioren verabschiedet und freut sich endlich in der Elite her-auszufinden, wo seine Reise nun hingehen wird. Bereits in Losinj musste Till feststellen, dass der Wind in der Elite ziemlich heftig bläst und kleinste Fehler, Unkonzentriertheiten zum direkten Aus führen.

Nun ja, soviel zur trockenen Theorie. Aber lasst uns lieber vom Dirtmasters berichten, denn wir hatten alle eine ganze Menge Spaß. Nicht nur auf dem Bike, sondern auch abseits der Strecke.
Für uns begann das Spektakel bereits am Donnerstag beim Rookiescup. Hurricane Henri war `on fire` und bereit für die U15. Die Strecke taugte ihm, zwar technisch ein wenig zu einfach, aber dennoch fand er sich schnell zurecht. Der Rookiescup sollte in diesem Jahr von der Streckenfüh-rung sehr nah an den GDC anknüpfen, damit der Nachwuchs möglichst früh die Herausforderun-gen GDC/EDC kennen lernen.
Nach dem Training stand nun also die Quali auf dem Plan. Ich muss gestehen, dass der Zeitplan beim RookiesCup in Winterberg extrem straff ist. Training, Quali und Rennlauf an einem einzigen Tag ist meines Erachtens zu hart. Für die Kids ist es unheimlich schwierig die Konzentration über solch einen langen Zeitraum aufrecht zu erhalten. Aber es half nix!
Eine erste gezeitete Abfahrt sollte zugleich auch ein Richtungspfeil für die Saison werden. Henri stand bereit und begab sich auf den Startturm. Ich gab Henri noch den Tipp kurz bevor er auf die Strecke prescht 3 x tief Luft holen. Dies soll die Konzentration erhöhen. Auch ich musste nun 3 x tief durchatmen, angespannt wie selten klebten meine Ohren bei Henri´s Abfahrt am Laut-sprecher. Knapp 2 Minuten voller Nervosität und Anspannung! Dann tauchte Henri aus dem Wald auf, die Zeit sah gut aus, aber…

Aber nicht gut genug, denn Henri musste sich erstmals mit einem 2. Rang zufriedengeben. Ver-wundert standen wir oben am Start und spekulierten sogleich.
Ich muss zugeben, unsere Erwartungen und Wünsche waren auch recht arrogant. Für uns war es klar, dass Henri seine Klasse wie im vergangenen Jahr locker dominieren würden. Für uns stellte sich nur die Frage, mit wieviel Vorsprung er ins Ziel kommen würde.
Aber zum Glück wir Arroganz immer schnell abgestraft! Die einzige Frage die mich auf den Weg zum Teampit beschäftigte, was würde Henri nun sagen? Wie würde er auf diese neue Situation reagieren. Im Pit angekommen versuchte ich aus Henri Gesichtsausdruck Informationen zu erha-schen. Gelang mir nicht!
Also sprach ich sogleich mit Henri. Henri war völlig entspannt, erzählte mir welch guten Lauf er ins Ziel brachte und das er sehr zufrieden war. Zugleich attestierte er dem Erstplatzierten ein mega Ergebnis. „Er war einfach besser“ kam aus Henri´s Mund.
Wenn das mal nicht cool ist. Ich hatte mit vielem gerechnet.
Ihr könnt euch nicht vorstellen wie stolz ich über diese Reaktion war, ich hatte kurz leichte Gän-sehaut. Genau solch eine Reaktion war mir immer enorm wichtig. Mal deutlich zum Ausdruck brin-gen, dass der Andere einfach besser war. Mega!

Aber Henri war auch direkt wieder im Angriffsmodus: „Den will ich aber schon gerne schlagen, ich werde gleich alles geben und versuchen mindestens 1 Sekunde schneller zu fahren“.
Zack, Aussage gemacht und im Rennlauf auch exakt so umgesetzt. Henri schaffte es in seinem Finallauf nochmals eine Sekunde schneller zu fahren. Übrigens, die beiden fuhren Tagesbestzeit! Nur gelang dies auch seinem Kontrahenten und am Ende hieß es für Henri Platz 2. hinter einem wirklich starken und ebenfalls talentierten Fahrer. Henri war glücklich und sehr zufrieden.
Und das bedeutet auch für mich, dass ich extrem happy und zufrieden war. Und wieder habe auch ich etwas dazugelernt. Hochmut kommt stets vor dem Fall und künftig werden wir auch bei Henri´s Rennen mehr Bescheidenheit an den Tag legen.

Am nächsten Tag ging es für den Rest des Teams weiter. Das erste Training des Jahres beim GDC stand vor der Tür. Das gesamte restliche Team stand am Start, ein toller Anblick für mich.
Aber wir hatten noch einen Gastfahrer in unseren Reihen. Der Sieger unseres Gewinnspiels ge-meinsam mit SRAM und der MTB Rider sollte das gesamte Wochenende mit uns verbringen. Stolz kam er mit seinem neuen Canyon Sender AL an den Start und freute sich riesig über seinen Gewinn.
Gemeinsamer Trackwalk sowie einige Trainingsrun´s standen natürlich auch auf dem Programm. Am Ende stand unser Sieger in der Open Junior ganz oben auf dem Podium, ein toller Erfolg.

Kommen wir wieder zurück zum Training. Freitag ab 12 Uhr startete das Training und sollte unüb-lich bis 19 Uhr gehen. Auf Grund der hohen Starterzahlen war dies eine willkommene Änderung. So starteten wir mit unserem ersten Training erst gegen 14 Uhr, wir wollten die Massen erstmal die Strecke etwas einfahren lassen. Das hatte den Vorteil, dass die Strecke bereits an den neu-en Abschnitten eingefahren war. Das Training bei derart hohen Starterzahlen ist recht schwierig, flüßige, schnelle Runs sind fast unmöglich. Stets wurde man ausgebremst. Aber auch das gehört dazu!
Nichts desto trotz hatten wir auf der Strecke in Winterberg eine Menge Spaß, es wurde mal wie-der alles aus dem Berg für den Start der Serie herausgeholt. Samstag ging es dann ab 13.30 Uhr mit der Quali los und Paula war die Erste aus dem Team für die die Uhr lief. Am Ende landete Pau-la, die in der Elite an den Start gehen wollte, auf einem soliden Rang 2. Ich wußte natürlich, dass Paula mit diesem Ergebnis sehr unzufrieden sein würde.
Oben am Start angekommen nahmen wir beide uns die Zeit und sprachen ein wenig über ihre Unzufriedenheit, bzw. eher über ihre Wut. Sie war wahnsinnig enttäuscht, obwohl ein zweiter Platz in der Quali eine solide Ausgangsposition ist. Aber ich wusste um Ihre Gefühle und Stimmungsla-ge. So mussten wir Ihr Gemüht erstmal ein wenig besänftigen, was uns auch nach einiger Zeit gelang.
Enttäuschung ist gut und auch nachvollziehbar, zumindest wenn diese berechtigt ist. Aber man sollte nicht zu verbissen reagieren und schnell mit einem Lächeln an die kommende Aufgabe her-angehen. Damit solche Situationen ein schnelles Ende finden, ist es mir wichtig das wir als Team enger zusammenrücken.

So brauchte Paula auch nicht lange und sie strahlte wieder. Nun war Luis an der Reihe, seine lang ersehnte Premiere stand kurz bevor. Noch ein paar Tips, kleines, knackiges warm up und dann ging es schon auf den Startturm. Dreimal tief Luft holen und ab auf die Strecke. Luis muss nach seiner Verletzung aus dem vergangenen Jahr erstmal wieder etwas Selbstvertrauen tanken und sich langsam an seine Möglichkeiten heranarbeiten. Aber mit einem coolen, soliden Lauf landete Luis auf einem guten 7. Platz mit nur wenigen Sekunden Rückstand auf die TOP3.
Simon, der in seinem letzten U19 Jahr an den Start geht, kam leider nicht sonderlich gut zurecht, er fand nicht den Flow und Speed auf der Strecke. Gerade bei so einer recht flachen Strecke ist es unheimlich wichtig in jeder Sektion mit dem nötigen Schwung zu fahren, um den Speed hoch zu halten.
Nach einiger harter Arbeit, Analyse in diversen Bereichen war Till endlich wieder gut drauf. Wir haben für Till einen neuen Link in seinen Sender CF inkl des neuen metrischen RockShox Super Delux verbaut und das Bike fühlt sich für Till perfekt an. Das konnte man auch auf der Strecke beobachten. Viel Kontrolle und Flow, somit kam er deutlich besser zurecht als Simon, obwohl sie fortwährend mit einander trainierten.
Simon kam in seinem Lauf auf einen für ihn enttäuschenden 5. Platz ins Ziel und Till konnte in sei-nem ersten Elite GDC Rennen direkt mal ein Ausrufezeichen setzen und belegte trotz einiger hef-tiger Fehler Platz 7.
Trotz dieser etwas gemischten Ergebnisse gingen wir entspannt in den Finalsonntag. Alle waren gut drauf, hatten mega bock und waren bereit fürs Finale. Alle wussten, dass Sie nochmal deut-lich schneller fahren konnten und alle wollten es auch. Tolle Voraussetzungen!

Bei Paula klebt aktuell das Pech ein wenig an den Reifen. Fragt nicht warum:-) Der Lift fuhr auf Grund des herannahenden Unwetters nicht, so mussten wir innerhalb kürzester Zeit Paulas Bike die komplette Piste hochschieben. Schon mal gemacht? Ich sag euch, ein Traum. Schweiß geba-det kam ich nach 25 Minuten am Start an. Leider ein wenig zu spät, aber die Verantwortlichen waren wirklich liebenswert und ließen Paula verspätet starten. Natürlich begann das Unwetter genau zu Paulas Start, so dass Sie keinerlei Chancen mehr hatte, ganz nach vorne zu fahren. Sie stürzte auf der seifig, schmierigen Strecke.
Das Unwetter begann dann richtig zu wüten, Regenschauer wie ich sie noch nicht erlebte. Teil-weise standen Fahrer Knie tief im Wasser, ein wirklich reisender Bach schoss die Strecke runter. Exakt zu diesem Zeitpunkt startete das Finale der Elite. Fairerweise hatten alle die gleichen Be-dingungen, so dass wir definitiv von einem spannenden Rennen berichten können. Die Junioren wurden in die Startzeiten der Elite eingegliedert, so dass Till und Simon mit wenig Abstand ihr Finale fahren konnten.
Wir entschieden uns für Vollgas, wollten volles Risiko gehen und entweder ganz nach vorne fahren oder eben halt am Ende des Feldes ins Ziel kommen.
Mal gewinnt man, mal verliert man. In diesem Fall muss ich leider berichten, dass wir die nächste Zeit weder ins Casino gehen, geschweige denn den Lottoschein ausfüllen sollten;-)
Sowohl Simon in der Junioren U19 als auch Till in der Elite gingen zu Boden. Sie pushten ein wenig zu viel, obwohl sie das Gefühl hatten den Gripp halten zu können.
Ich war aber keines Wegs enttäuscht, eher glücklich, dass die Jungs nur leicht stürzten. Wenn man sich das Podium des Wochenendes anschaut, konnte man sehen, dass bei solchen Wetter-kapriolen die Erfahrung eine große Rolle spielt.

Da wir noch einiges vorhaben und besonders für Till unbedingt WC-Punkte sammeln wollen, geht es bereits kommende Woche mit der #2 des GDC in Willingen weiter. Dort werden wir mit Luis in die U17, Simon in der U19, Till in der Elite und Henri als Vorstarter auflaufen.

Rennüberblick

Name Startnr. Klasse Run # Punkte Zeit
Felix Krüger 137 Pro Junior U19 male Seeding13001:53.899
Felix Krüger 137 Pro Junior U19 male Final11001:52.227
Simon Maurer 134 Pro Junior U19 male Seeding4001:49.206
Simon Maurer 134 Pro Junior U19 male Final2001:47.939

Bilder vom Renntag