Racebericht

Ilmenau (GER) DM

Die Saison ist im vollen Gange! Wir reisen aktuell von einem Rennen zum nächsten. Das bedeutet jedes Event muss geplant werden: Stellplätze und Unterkünfte müssen gebucht, das Teamfahrzeug gecheckt werden. Welches Material brauchen wir? Haben wir ausreichend Maxxis Reifen dabei? Sind es die richtigen? Was passiert abseits der Strecken? Unmittelbar nach den Rennen setze ich mich vor den Rechner und fange an die Wochenenden revue passieren zu lassen.
So sitze ich auch heute wieder vor dem PC und freue mich darüber diese Zeilen zu verfassen, euch wieder von unserer Reise zu berichten, von unseren Erlebnissen erzählen zu können. Meine Hoffnung: euch mit diesen Zeilen ein wenig mit auf unsere Reise mitnehmen zu können.
Letzte Woche um diese Zeit berichtete ich von unserem WorldCup #3 der Lenzerheide und heute, eine Woche später, ist bereits wieder so viel Wunderbares passiert.
Für uns ging es vergangenes Wochenende zum wohl wichtigsten, nationalen Event. Die Deutsche Meisterschaft wurde ausgefahren. Wer würde wohl das begehrteste Jersey des Jahres erhalten?

Die DM wurde, wie in den vergangenen Jahren auch, parallel zum GDC abgehalten. Leider wechseln die Austragungsorte nicht allzu häufig, so dass fast immer die üblichen Verdächtigen die Meisterschaft austragen . In diesem Jahr ging es ins verrückte Ilmenau. Ilmenau und seine Fanszene erinnert fast ein wenig an das Gallische Dorf: eine kleine, verrückte, fleißige Herde von Jungs begeben sich regelmäßig in den Thüringer Wald und zaubern mit einer selten gesehenen Hingabe eine Strecke in den Wald, die alle begeistert. Ich fahre nun seit 12 Jahren DH und ich kann mich in der Tat nicht an ein einziges Jahr erinnern, in dem Ilmenau enttäuscht hätte.
In diesem Augenblick, in dem ich diese Zeilen verfasse, muss ich unweigerlich an die Siegerehrung denken. Dieser Lärm, diese Stimmung, unbeschreiblich!
Aber spulen wir einige Tage die Zeit zurück, exakt drei Tage auf den Freitag. Der Freitag beim GDC beginnt in der Regel recht gemütlich: ab 11 Uhr ist Trackwalk, ab 14 Uhr beginnt dann das Training. Also blieb uns ausreichend Zeit unser Teampit im Zielbereich aufzubauen. Die Crew in Ilmenau war so lieb uns einen schönen Platz zur Verfügung zu stellen. Mittlerweile sind wir auch ein wenig geübter im Aufbau unseres Pits, zum Glück! Unser erster Versuch zog sich ordentlich in die Länge, aber mittlerweile sitzen unsere Handgriffe. Es gab für uns allerdings noch eine schöne Premiere: pünktlich zur DM wurde unser Teamfahrzeug fertig.Im inneren befindet sich nun eine tolle Werkstatt und von außen bekam der Transporter sein neues Design. Vielen Dank nochmals an Martin von SRAM für seine ganzen Mühen, ohne dich hätten wir es nicht geschafft!

Nunja, Teampit aufgebaut und für Till und Simon war es jetzt an der Zeit Ihre Überraschungen aus dem Hause SRAM auszupacken. Beide durften die neuen Lenker,Vorbaukombi mit 35mm Klemmung von Truvativ, an Ihr Bike montieren. Sehr stylisch!
Genug geschraubt, ab auf die Strecke und die neuen baulichen Kunstwerke bewundern. Oben angekommen staunten wir nicht schlecht. Was ist denn hier passiert? Ne komplett neue Strecke? In der Tat war der gesamte obere Teil bis zum Steinfeld völlig neu, gleiche Bedingungen für alle, sehr geile Arbeit! Auch im unteren Teil wurden einige, kleine Änderungen vorgenommen. Im Gesamten sollten diese Änderungen ein spannendes Wochenende bedeuten.
Genug gelaufen, es wurde Zeit endlich auf unsere Bikes zu springen und die neue Strecke einzuweihen.Super Idee, aber...
Direkt zu Beginn sollte leider ein neuer Rekord einer Streckensperrung aufstellt werden. Ganze 1,5 Std. musste die Strecke gesperrt bleiben und fast niemand hatte auch nur einen Meter auf dem Bike zurück gelegt. Aufgrund dieser Verzögerung wurde kurzerhand entschieden das Training bis 19 Uhr zu verlängern. Leider sollte das aber nicht die letzte Streckensperrung des Wochenendes bleiben. In meinen Augen leider viel zu viele Verletzungen, dabei zeichnet das unseren Sport in keinster Weise aus.

Am Abend zogen dunkle Wolken auf, dass sollte nichts gutes verheißen. In der Nacht regnet es ca 2 Std richtig heftig, das würde die Streckenverhältnisse deutlich verändern. Samstagmorgen hieß es erstmal Shorty´s montieren. Der obere, neue Strecketeil war zu weich und loose, da waren Shorty´s unumgänglich. Glückllicherweise trocknete die Strecke extrem schnell ab, so dass man zum Seedingrun die Reifen wieder frei wählen konnte.
Till war von den SRAM Young Guns der Erste der auf die Strecke musste. „War der Lauf scheiße!“, waren Till´s ersten Worte im Ziel. Das war deutlich an der Zeit zu erkennen. So eine Zeit hatten weder wir noch Till erwartet. Am Ende reichte es lediglich zu Platz 5.
Felix und ich hatten eine Strategie für dieses Wochenende zurecht gelegt: „Fahr einfach mit Spaß, ähnlich wie auf deinen Hometrails. Die Zeit ist völlig egal! Ich möchte nur, dass du mit viel Spaß ins Ziel kommst!“. Gesagt - getan! Als wäre es das einfachste auf der Welt! Und siehe da, Felix hatte endlich seinen erhofften guten Lauf. Seit fast 2 Saisons arbeiten wir auf diesen Augenblick hin. Ich war so wahnsinnig stolz auf Felix, dass es ihm nun endlich gelang wieder an seine Möglichkeiten anzuknüpfen. Platz 6 direkt hinter Till!
Nun fehlte noch Simon, der in dieser Saison von einem Highlight zum nächsten fährt. Simon liebt diese Strecke, sie liegt ihm und im vergangenen Jahr konnte er hier bereits sein bestes Ergebniss einfahren. Demzufolge waren wir natürlich sehr optimistisch.
Wir schauten gespannt den Zielhang hinauf, er müsste doch langsam kommen. Wo blieb er? Technischer Defekt? Er kam nicht ins Ziel. So langsam wurde ich nervös! Ich setzte mich umgehend in Bewegung und sprintete am Rand die Strecke hoch. „Suchst du Simon?“ „Ja!“ „Er ist oben gestürzt, die Sanitäter sind bereits bei ihm.“ Oh nein, keine Verletzung! Als ich bei Simon ankam war leider klar, dass Simon unglücklich gestürzt war. Er fasste sich an die Schulter.

Ich blieb natürlich bei ihm, bis die Sani´s Simon ins Krankenhaus brachten. Runter zum Vater und ab ins Krankenhaus. Das einzige was mich ein wenig beruhigte war, dass äußerlich nichts zu sehen war. Hoffentlich hat er sich nicht schlimm verletzt!
Das Wochenende war definitiv für Simon gelaufen und er trat bereits am Sonntagmorgen die Heimreise an, obwohl er unbedingt bei Till und Simon bleiben wollte - zu groß waren die Schmerzen und auch seine Enttäuschung. Nach ersten Untersuchung in der Heimat wird Simon nicht allzu lange ausfallen, ca. 3 Wochen Pause.
Kommen wir zum spannenden Rennsonntag. Endlich mal wieder ein wirklich hochwertiges U19 Starterfeld und auch ein Max Hartenstern war sich seiner noch nicht sicher.
Das Finale startete für uns natürlich mit Felix. Würde er nochmal an seine Vorgaben und dem Rennlauf von dem Vortag anknüpfen können? Ich war extrem nervös, ich würde mir für Felix einen Erfolg so sehr wünschen. Er hat es doch drauf, ich war mir auch in seiner schlechten Zeit so sicher! Daumen drücken konnten man meine Handhaltung schon gar nicht mehr nennen. Oben tauchte ein Kopf auf, Felix war im Anflug, der Sprung in den Zielhang und ab über die Ziellinie. Die Uhr blieb bei 2:06 Minuten stehen: Hotseat. Yeahhhhhhhhh! Felix knüpfte perfekt an den Vortag an, er war glücklich und strahlte übers ganze Gesicht. Endlich! Nun hieß es für Felix Daumen drücken. Welchen Platz würde er am Ende belegen? Nun galt es alle Energie in Till´s Rennlauf zu stecken. Till stand oben am Start, würde er seinen Ansprüchen gerecht werden? Würde er den Sprung ganz nach oben schaffen und Max vom Thron stoßen? Till´s Kopf tauchte so langsam im Wald auf, da ist er schon. Ein Raunen ging durch die Menge, Till war schnell, er zog ab, ein mächtiger Satz in den Zielhang. Blieb die Uhr unter 2 Minuten stehen?
Leider nicht, erst bei 2:02 Minuten. Ob das reicht? Wir waren alle äußerst unsicher, aber der aktuelle Hotseat gefiel mir bestens. Till auf Patz 1 und Felix auf Rang 2. So darf es ruhig bleiben:-)
Nun tauchte aber Max im Wald auf. Puhhhhh ist das schnell, würde er die 2 Minuten Marke knacken? In der Tat! Der verflixte Kerl kam mit einer Zeit von 1:57 Minuten ins Ziel und verwies meine Jungs auf Platz 2 und 3.
Selbstverständlich freute ich mich für Max, so auch Till und Felix. Allerdings muss ich auch gestehen, dass ich natürlich für meine Jungs die Daumen drückte und mir die beiden ganz oben gewünscht hätte. Aber an diesem Wochenende sollte ein Max Hartenstern von niemanden zu schlagen sein. Auch von mir und dem gesamten Team ein riesen Glückwunsch an Max. Mega Leistung!
Aber wir werden uns nicht geschlagen geben und weiter alles versuchen ganz oben auf dem Podium zu landen.

Für uns war es ein wahnsinns Wochenende und ich feierte Till und Felix auf dem Podium. Hätte mir zu Beginn jemand dieses Podium angeboten, ich hätte ihn für verrückt gehalten. Ein ganz toller Moment für die SRAM Young Guns.
Jetzt werden wir den letzten Worldcup in Val di Sole mit 3 Fahrern in Angriff nehmen und alles dran setzen mit Till, Felix und Simon ins Finale zu gehen.

Rennüberblick

Name Startnr. Klasse Run # Punkte Zeit
Till Ulmschneider Pro Junior U19 male Seeding42002:13.554
Till Ulmschneider Pro Junior U19 male Final28002:02.292
Felix Krüger Pro Junior U19 male Seeding5002:14.060
Felix Krüger Pro Junior U19 male Final3002:06.439
Simon Maurer Pro Junior U19 male Seeding-0folgt

Bilder vom Renntag