Racebericht

Lenzerheide (CH) WC #3

Aus Eins mach Zwei
Vergangenes Wochenende stand für die SRAM Young Guns nicht nur der WorldCup #5 Lenzerheide auf dem Plan, parallel zum WC fand in Saalbach das Glemmride-Festival statt. Ein schönes, von allen geschätztes, gemütliches Festival, welches zugleich auch Austragungsort des RookiesCup #3 war. Nach einer kleinen Verletzungspause konnte nun auch endlich wieder Luis ins Geschehen eingreifen. Vor knapp 4 Wochen stürzte Luis im Bikepark unglücklich und brach sich das rechte Schlüsselbein. Nach harten, ungeduldigen Wochen war es für die Rakete wieder so weit, biken, racen, mit seinem Bruder heizen gehen...
Das Wetter in Saalbach war etwas durchwachsen, sollte sich aber zum Finaltag wieder von seiner besten Seite zeigen. Mit Sonne lässt sich doch alles irgendwie besser genießen :-)

Das Training der beiden verlief super, Luis hielt sich so gut er konnte zurück und wollte das Biken hauptsächlich genießen. In einem Trainingsrun passierte es doch, Luis stürzte. Aber seiner Schulter ging es gut. Das Schlüsselbein ist wieder stabil und so wurde Luis von Trainingsfahrt zu Trainingsfahrt selbstbewusster. Aber dennoch wollte Luis sich noch ein wenig schonen, so galt der Seedingrun als reine Trainingsabfahrt. Nicht zu viel riskieren und einen sicheren Lauf für sein Selbstvertrauen runterbringen. Platz 4 sollte doch mal eine erste Ansage sein!
Auf der anderen Seite war Henri in der U13 wieder mal mit großem Abstand das Maß aller Dinge. Streckenprofil? Zweitrangig! Er brennt einfach die Strecken in Europa nieder. Platz 1 in der U13 und wiedermal ein verheerender Abstand zur Konkurrenz.
Beide freuten sich riesig, endlich wieder zusammen biken und zusammen am Ende sollten beide auch um die Podiumsplätze in Ihrer Kategorie fahren. Bei Henri wenig erstaunlich, aber Luis musste erstmal seine Verletzung verkraften. Die Beiden sind ein wahnsinns Team und es macht immer mehr Spaß den Beiden zuschauen zu dürfen :-)
Am Sonntag änderte sich am Bild der U13 nicht allzu viel, Henri ließ sich in keinster Form aufhalten, haute wieder einen Run runter, der am Ende sogar den Sieg in der U15 bedeutet hätte. In der U13 siegte Henri fast selbstverständlich mit einem Abstand von 17 Sekunden. Wahnsinn! Mehr kann ich dazu nicht sagen!
Aber was machte Luis? Doch nervös nach seiner langen Pause? Der Druck vielleicht zu hoch? Was erwartet Luis von sich selbst? Wir saßen in der Schweiz gebannt vorm Handy und wollten Luis nicht alleine lassen. Live-Timing war unser ständiger Begleiter. Luis kam ins Ziel und am Ende hieß es Platz 2 in der U15 und das mit angezogener Handbremse. Ganz, ganz geile Leistung von Luis! Das gesamte Team feierte Luis 2. Platz und wir alle wissen, dass dies erst der Anfang ist. Mal abwarten, was uns alles noch erwartet.

Nunja, auch wir in der Schweiz hatten noch einen großen Job zu bewältigen. WC #5 und ein erneuter Versuch mit unseren 3 Fahren ins Finale einzuziehen. Klar, hohe Ziele! Vor allem da Felix stetig mit seinem Kopf beschäftigt ist. Nichts desto trotz wollen wir alles erdenkliche Versuchen unsere Jungs in den Finalsamstag begleiten zu dürfen.

Das Streckenprofil war völlig anders als die letzten WC in Leogang oder auch Fort William. Die Lenzerheide ist eine reine Bikeparkstrecke: im oberen Teil ein heftiges Steinfeld mit unheimlich vielen Linienwahlen, dann reiner Bikepark mit nur einer einzigen Linie, weiter in den Highspeedkanal mit über 60 Km/h bevor es dann nochmals technisch wurde. Die Fahrer äußerten sich alle identisch: Die Strecke ist enorm schwierig einzuschätzen und es braucht an einigen Sektionen seine Zeit den Flow zu finden, gerade bei höherem Speed ist es unheimlich schwer das Limit einzuschätzen. Durch die Temperaturen war die Strecke der Art staubig und sehr rutschig.
Auch die Jungs waren lange Zeit sehr unsicher in ihren Aussagen und konnten nur schwer Prognosen über ihr wohlbefinden auf der Strecke abgeben. Umso spannender war auch die Quali am Freitag. Selbst die Finalliste in der Elite-Klasse zeigte einige heftige Überraschungen, ein Brandan Faircloth schaffte nicht mal die Quali.
Unmittelbar vor der Quali waren die Jungs extrem angespannt. Felix zuckte förmlich bei jeder Aussage über die Strecke zusammen. Felix fand das Vertrauen in sich und die Strecke leider nicht, entsprechend war sein Qualilauf. Aber auch Till und Simon waren deutlich angespannt. Für die Jungs ist die Quali stets der mental heftigste Zeitpunkt. Die Jungs durften nicht versagen, keinen Fehler machen, nicht zu wenig riskieren, aber auch nicht zu viel. Kein Platz für Fehler, kaum Chancen zur Korrektur.
Wie bereits erwähnt sorgten die hohen Temperaturen für sehr schwierige Streckenverhältnisse. Leider gab es bei en Juniorinnen einen heftigen Sturz, so dass sich folgenden Läufe um mindestens 30-45 Minuten verzögern sollte. Das schmeckte den Jungs ganz und gar nicht!
Nach einem Restart für Till sollte für ihm das Chaos perfekt sein., Ein Platten das Aus für Till bedeuten und somit musste Till erstmals beim Finale zuschauen. Ein Superschock für uns alle! ABER es gab noch Simon Maurer, er liebte die Strecke, fand sich schnell bestens zurecht und seine Linien saßen. Alles klang nach dem lang ersehnten Einzug ins Finale. Und exakt so sollte es auch kommen. Simon schaffte mit einem grandiosen Lauf den Einzug ins Finale, am Ende hieß es Platz 16. Leider sollte Simon mit Max Hartenstern die einzigen beiden Deutschen sein. Für uns und vor allem Simon war die Freude unermässlich!

Wie perfekt hätte es für das Team laufen können, wenn nicht dieser Platten gewesen wäre! Aber auf dieser trockenen Strecke sollte es nicht der letzte Platten an diesem Wochenende sein. Wie sagt Aron Gwin so schön: „Wären Ergebnisse und Ereignisse so vorhersehbar, würden wir nicht racen!“
Aber dennoch machte auch ich mir Vorwürfe, hätte ich den Platten vermeiden können, hätten wir präziser, sorgfältiger Arbeiten sollen? Das waren eigentlich die Fragen, die wir uns den Freitag über stellten.
Aber wir hatten ab diesem Wochenende die Gewissheit, dass wir in der Lage sind, mindestens zwei Fahrer ins Finale bekommen zu können. Wenn jetzt noch Felix zu seiner alten Stärke zurückkehren würde... Aber das ist eine andere Geschichte, zu der ich das HappyEnd noch schreiben werde!

Am Freitagabend setzte plötzlich heftiger Regen ein. Der Strecke tat dieser Regenschauer gut, sie wurde weicher und der Gripp definierbar. Aber dieser Regenschauer war nur ein „Tropfen auf den heißen Stein“. Am nächsten Tag brannte die Sonne wieder und die Strecke sollte zum Finale ab 10.30 Uhr wieder staub trocken sein. Alles wieder beim Alten!
Simon war sehr entspannt und enorm fokussiert, so ging er auch zu Werke. Tief Luft holen, nochmals alle Kraft mobilisieren und raus aus dem Gatter. Der Lauf war super und Simon durfte einige Zeit unten auf dem Hotseat platz nehmen. Was für ein Gefühl auf einem Worldcup und am Ende reichte es zu einem unglaublichen 13. Platz in der U19 bei einem WC. Gratulation lieber Simon!

Er haderte ein wenig mit seinem Lauf, kleine Fehler schlichen sich ein. Aber er sollte herausfinden, dass alle Fahrer mit Fehlern ins Ziel kamen. Die Strecke war zu „undefinierbar“.
So fuhren wir aus der Schweiz mit einem 13. Platz im Gepäck und der Erkenntnis die Chance zu haben mit zwei Fahrern ins Finale einzuziehen wieder heim. Stolz, müde, abgekämpft aber dennoch überglücklich geht es für uns nun zur DM nach Ilmenau und wir freuen uns auf heimischem Boden mit all unseren Freunden um Medaillen kämpfen zu dürfen....

Rennüberblick

Name Startnr. Klasse Run # Punkte Zeit
Till Ulmschneider 17 Pro Junior U19 male Seeding4903:59.954
Felix Krüger Pro Junior U19 male Seeding3303:35.017
Simon Maurer 63 Pro Junior U19 male Seeding1603:24.779
Simon Maurer 63 Pro Junior U19 male Final1303:24.249

Bilder vom Renntag