Racebericht

Leogang (AUT) WC #3

Lange Zeit durchzuatmen für den dritten Weltcup in Leogang war nicht, denn die Rückreise aus Fort William dauerte bis Dienstagmorgen. Kurz nach Hause, einmal im heimischen Bett träumen, Wäsche waschen und schon ging es wieder weiter nach Leogang zum WC#3. Doch diesmal wollten wir mit Vollbesetzung der U19 Fahrern an den Start gehen. Unsere beiden U15 und U13 Kids Luis und Henri saßen zu Hause vorm Computer und drückten Till, Simon und Felix fest die Daumen.

Till war tiefenentspannt und gut drauf, wie erwähnt war der erste riesen große Druck mit seinem 11. Platz in Fort William weg, Simon knabberte noch an seiner verpassten Chance sich in Fort William zu qualifizieren und Felix durfte erstmals World Cup-Luft schnuppern. Die Strecke war uns allen von Ihrem Charakter bekannt, schon seit einigen Jahren lädt das wunderschöne Leogang regelmäßig zum World Cup und zum Finale des EDC ein. Eine klitze Kleinigkeit sollte an diesem Wochenende aber anders sein, Leogang lud bei bestem Wetter und jeder Menge Sonne ein, ein seltenes Phänomen!

Es gab noch eine Worldcup Premiere für SRAM Young Guns. Erstmals steht uns als eingetragenes World Cup Team ein Platz in der Teamarea zwischen all den großen, bekannten Teams zur Verfügung. Mit unserem neuen Teampit waren wir in bester Gesellschaft vertreten und konnten es nach einem ersten gemeinsamen Aufbau unseren Partnern und Sponsoren SRAM, Maxxis, Bliss, MTB-News, DT Swiss und den anderen präsentieren. Nachdem das Teampit nach einigen ersten Aufbauproblemen stand, ging es wie immer zur Anmeldung bzw. Startnummernausgabe.

Alles geregelt und nun stand ein ausgiebiger Trackwalk auf dem Programm. Es gibt in der Tat Fahrer, die mehrere Stunden auf dem Berg verbringen, die die Zeit nutzen um sich die Strecke bereits beim Trackwalk einzuprägen. In Leogang sollte es nicht allzu schwierig sein, denn die Strecke ist seit Jahren fast unverändert. Nur nicht in diesem Jahr! Wo waren die Steinfelder im oberen Teil hin, alles zugeschüttet? Was soll das werden, Highspeedkurs mit wenig technischen Raffinessen und dann noch eine extreme Trockenheit? Wie der Trackwalk schon vermuten ließ, sollten extrem hohe Geschwindigkeiten gefahren werden, was für die Fahrer ein enorm hohes Risiko bedeutete, denn auf einem Worldcup wird jeder versuchen die Finger von den Bremen zu lassen.
Nunja, auch diese Streckencharakteristik gehört ebenfalls zu einem Worldcup und diese Strecke ohne Fehler zu bewältigen wird nicht einfach. Mit einem kleinen Fehler beim Qualilauf fällt man in Leogang sehr schnell auf die hinteren Plätze und wir alle wissen zu was das führt wird!

Die Jungs freuten sich das gesamte Wochenende zu dritt fahren zu können, denn sechs Augen sehen mehr als zwei und so gab es einen regen Austausch der Lines. Bei den Verhältnissen war es wichtig die perfekteste und schnellste zu finden. Sich in Leogang zu behaupten gilt als die größte Herausforderung, daher ein kleiner Tipp, sucht Euch für Euren ersten World Cup eine andere Strecke aus, denn Leogang kann sehr frustrierend und enttäuschend werden.
Die Jungs waren aber alle gut unterwegs, hatten Spaß und fanden schnell Ihre Linien. So endete das drei stündige Freitagstraining mit hoher Zuversicht auf den nächsten Tag. Auch Felix kam bestens zurecht und sein Speed passte ebenfalls. Unsere Versuche der letzten Wochen, Felix dabei zu helfen wieder mehr Vertrauen in seine Fähigkeiten zu gewinnen, zeigten Früchte, dass sollte uns auch das gesamte Wochenende zeigen.

Samstag klingelte der Wecker super früh, 6.30 Uhr Wakeup-call. Kurz frühstücken, wach werden und schon waren die Jungs wieder auf dem Bike. Wie von einigen Anwohnern vorhergesagt, regnete es ein wenig über Nacht und das bedeutete, dass die Strecke sich deutlich anders fuhr. Sie wurde extrem rutschig an einigen Passagen und an anderen deutlich griffiger. Simon kam ziemlich unglücklich von seinem ersten Run wieder, er war gestürzt. Schnell die Maxxis Shorty´s drauf und weiter trainieren. Till und Felix begrüßten die witterungsbedingten Änderung sehr und kamen recht gut zurecht. Die Strecke trocknete aber enorm schnell wieder ab, so das nach zwei Abfahrten die Minion DHR2 doch wieder die bessere Wahl waren. Nach 105 Minuten Training war das Training für die U19 beendet, Gruppe A war an der Reihe. Bike reinigen, checken und ab an die Strecke. Linien beobachten und vergewissern, dass die eigene Wahl die Richtige war.

Das Mittagessen stand auf dem Programm, danach nochmals ein wenig ausruhen und alle Kräfte für die Quali bündeln. Denn der Druck ist für die Jungs enorm hoch, keiner will versagen, jeder muss alles geben und Fehler vermeiden sonst ist das Wochenende bereits am Samstag wieder gelaufen und die Enttäuschung enorm groß.
Ich war aber noch deutlich zuversichtlicher als in Fort William, obwohl ich dort auch schon sehr positiv gestimmt war, liegt wohl an meiner Natur ;-)
Simon war richtig schnell unterwegs, traf die Linien wie kaum ein anderer. Diesmal musste es für ihn klappen! Auch Felix war richtig schnell auf dem Bike, machte aber noch zu häufig technische Fehler, die ihm Kontrolle und vor allem extrem viel Zeit kosteten. Meine Nervosität stieg, ich durfte erstmals mit drei Jungs hoch zum Start, das Aufwärmprogramm absolvieren und die Jungs motivieren und letzte Tipps geben.

Till startete von den Dreien als erstes, beim Worldcup gilt die umgekehrte Reihenfolge. Er startet verhalten, wollte zu Beginn nicht zu viel riskieren, da er im Training heftig in einer der ersten Kurven gestürzt ist. Er erreichte Platz 11. und hatte noch etliche Starter hinter sich. Sollte das schon wieder eine Zitterpartie wie in Fort William werden? Wenn Till lediglich auf Rang 11. in Ziel kam, wie würden sich Felix und Simon schlagen. Beruhigende Gedanken kamen gerade nicht wirklich auf.
Nun war Felix und kurz darauf Simon am Start. Letzte, intensive Gespräche, motivieren und ab auf den Track.
Schnell ging es für mich zurück in den Lift, Handy raus und die Whatsapp-Gruppe verfolgen. „Jungs ich brauche Infos“, schrie ich lauthals in der Gondel und schon gab es einen Ping vom Handy. Gruppe geöffnet und Nachrichten lesen, denn die restliche Crew vor Ort und zu Hause am PC versorgten alle mit den wichtigen Zwischenständen und Ergebnissen.

Till qualifizierte sich am Ende mit dem 14sten Rang, doch sehr souverän. Felix Platz 31 und somit leider raus, und Simon? Platz 30 für Simon am Ende, das kann doch nicht sein, der Junge war fix unterwegs, was war da passiert? Im Ziel angekommen lief ich in Windeseile zu den Jungs, Till gratulieren und nachhören was bei den anderen vorlag.
Felix war sichtlich zufrieden, denn er hatte für sich die richtige Linie gefunden, es fehlte ihm lediglich an Speed. Wichtiger Schritt für ihn nach den letzten Rennen mit vielen Fehlern und Stürzen. Ich freute mich für Felix, endlich mal wieder ein Ergebnis, welches eine gute Basis für die kommenden Rennen liefern wird. Simon war vollkommen konsterniert und fassungslos. Er verzockte sich völlig, seine Taktik einen ruhigen, flüssigen und kontrollierten Run runterzubringen ging nicht auf. Bei einem World Cup ist das Teilnehmerfeld so eng gesteckt, dass hier jeder an seine Grenzen gehen muss, um eine Qualifikation einzufahren. Super schade für Simon, denn er besitzt die Fähigkeiten und Eigenschaften eine World Cup Qualifikation zu schaffen. Wir werden weiter daran arbeiten, den enormen Druck auf einem World Cup für ihn in den Griff zu bekommen.

Nun galt es abermals Till auf das morgige Finale vorzubereiten. Bike checken, letzte Details besprechen, ein gemeinsames Essen und früh schlafen gehen, sind eine gute Grundlage für den morgigen Tag. Denn der Wecker sollte am Sonntag früh für Till klingeln. Es war etwas ruhiger am Tisch, lediglich Till und ich saßen beim Frühstück, die anderen konnten noch weiterschlafen. Die Sonne schien bereits kräftig und sie versprach für bestes Wetter zu sorgen.
Till bekam noch einen neuen, leichteren und schnellerrollenden Reifen und dann ging es in das einstündige Training. Er war zufrieden, alles lief nach Plan und die Strecke war noch schneller als erwartet. Kurze Pause, Bike reinigen, chillen, eine Kleinigkeit essen und dann schon wieder ab in die Gondel. It´s racetime!

Till war entspannt, hatte war richtig heiß auf seinen Rennlauf und so genossen wir zusammen das Aufwärmprogramm. Dann ging es Richtung Starthaus, meine Nervosität stieg deutlich an, eigentlich für mich ungewohnt. In den letzten Jahren habe ich mich an diese Situationen gewöhnt, aber heute war alles etwas anders. Ich wusste, Till könnte heute ein richtig gutes Ergebnis einfahren und locker die TOP TEN erreichen. Ich träumte sogar schon. Platz 5. oder 6. wäre ultra geil.

Till ging wieder recht verhalten aus dem Start, fuhr die ersten Kurven sicher und recht gemütlich. Mein Sprint zur Gondel stand nun wieder auf dem Programm. Handy anstarren und auf Infos aus der Gruppe warten. Hotseat für Till verrieten die Zeilen. Nun galt es Daumen drücken und hoffen das Till noch eine Weile dort sitzen bleiben würde. Am Ende sollte es zu Rang 8 reichen, aktuell bestes Worldcup Ergebnis für Till und somit für die SRAM Young Guns. Wir alle freuten uns, Simon und Felix waren die ersten Gratulanten mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

Es ist schön zu sehen, dass das SRAM Young Guns Team funktioniert. Alle fiebern mit und setzen sich für den anderen ein.

Vielen Dank für die Bilder unter anderem an Sebastian Sternemann.

Rennüberblick

Name Startnr. Klasse Run # Punkte Zeit
Till Ulmschneider 24 Pro Junior U19 male Seeding1403:34.775
Till Ulmschneider 24 Pro Junior U19 male Superfinal803:25.549
Felix Krüger 56 Pro Junior U19 male Seeding3703:41.236
Simon Maurer 57 Pro Junior U19 male Seeding3303:40.117

Bilder vom Renntag