Racebericht

Fort William (SCO) WC #2

Lange haben wir darauf hingearbeitet und konnten es nicht erwarten, denn endlich startet für uns ein neues Kapitel als offizielles UCI WorldCup Team. Ausgerechnet in For William zum World Cup sollte die WC Saison für uns starten. Jeder kennt diesen Ort, mit seiner einzigartigen Strecke, der großartigen Stimmung vor Ort, seiner atemberaubenden Landschaft und nicht zu Letzt der perfekten Organisation vor Ort.

Letztes Jahr war Till alleine vor Ort. Unterstützt von Bliss und SRAM meisterte er sein ersten World Cup super erfolgreich mit einer Top Ten Platzierung. Seit letztem Herbst verweilt Till in Whistler und es freute uns umso mehr, dass er extra für diesen World Cup seinen Aufenthalt unterbrach. Wir waren also alle gespannt und bis in die Haarspitzen motiviert!

Die Anreise nach Fort William war wirklich eine Odyssee, Fahrt nach Amsterdam und dort auf die Fähre nach Newcastle. Angekommen im Vereinigten Königreich ging es mit dem Auto nochmals fast 6 Stunden weiter durch die atemberaubende Kulisse der Highlands. Es ist bereits mein drittes Mal in Fort William, aber immer noch ist der Anblick der Highlands faszinierend. Alleine dieser Anblick ist jegliche Strapaze wert.

Aber glücklicher Weise war ausreichend Zeit sich von den Reisestrapazen zu erholen, denn erst am nächsten Tag war die Anmeldung geöffnet und nachmittags ausgiebig Zeit für den Trackwalk.

Am nächsten Morgen trafen wir uns ganz früh am SRAM Truck, dort richteten wir unsere Teamarea ein. Das SRAM Team um Todd erwartete uns bereits, um einen umfassenden Bike Check an unserem CANYON Sender vorzunehmen. Wahnsinn, was passierte hier? Jeder Wunsch, jedes noch so kleine Problem wurde uns von den Lippen abgelesen. Anfangs war es für uns schon ein wenig ungewohnt, denn so einen Support hatten wir zuvor niemals erleben dürfen. Diese Hilfsbereitschaft begleitete uns das gesamte Wochenende. Todd und seine Crew kümmerten sich vor und nach jeder Abfahrt um unsere Bikes, behoben, veränderten jede erdenkliche Kleinigkeit. Auf diesem Wege nochmals vielen lieben Dank an SRAM für dieses „Erlebnis“!

Freitag begann unser Training, der Zeitplan auf einem World Cup ist sehr eng gesteckt. Jede Gruppe hatte am Freitag gerade mal 3 Std Training. Für solch eine lange, harte Strecke ist es eine echte Herausforderung. Die restliche Zeit nutzten wir, um vom Streckenrand die Linien der Gruppe A zu studieren und eventuelle Änderungen für den nächsten Tag einzuplanen. Samstag war die Trainingszeit nochmals enger gestrickt, gerade mal 105 Minuten Training für die Youngsters, wenn hier noch ein technischer Defekt hinzukommt sollte, wird der Trainingstag zu einem Desaster.

Die Quali stand nun unmittelbar bevor und unsere Anspannung stieg enorm. Erstaunlicher Weise kam uns nie ein einziger Gedanke auf, dass wir den Sonntag ohne eine Qualifikation als Zuschauer verbringen müssten. Eher hatte ich das Gefühl, dass wir mit zwei Fahrern in den Rennsonntag starteten. Ich gebe zu, ein wenig vermessen, aber Till liegt die Strecke und Simon hatte sich durch seine letzten zwei Podium Platzierungen in eine gute mentale Ausgangslage gebracht. Katastrophe dann am Start, als wir ankamen zogen sich plötzlich die Wolken zu und es begann heftig zu regnen. Nicht einen einzigen Trainingsrun absolvierten die Jungs im Regen, völlig neue Streckenbedingungen für die Qualifikation. Alles neu, alles anders, aber es half nix denn beim World Cup heißt es bereits in der Quali Vollgas geben.
Till ging mit der Startnummer 21 als erstes von Beiden auf die Strecke, wir waren zu diesem Zeitpunkt recht relaxed und sicher. „Till wird das locker machen“, so unsere Gedanken.

Kurze Zeit später ging auch Simon auf die Strecke, in Windeseile sprangen wir in die Gondel, um möglichst schnell im Zielbereich nach den Ergebnissen schauen zu können. WhatsApp war während der Gondelabfahrt unser großer Verbündeter. Das Team berichtete sekündlich über den Verlauf des Rennens. Till kam als 15er ins Ziel. Unsere Stimmung änderte sich schlagartig. Platz 15 bei noch knapp 25 Startern, dass sollte richtig eng werden. Weit enger als uns allen lieb war. Von Simon gab es noch gar keine Info, noch befand er sich auf der Strecke. Im Ziel angekommen, hieß es mächtig Daumen drücken. Das sollte noch alles eine ganz enge Kiste werden.

Till belegte mit viel Glück den 20ten Platz mit gerade mal 200stel Vorsprung auf Rang 21. Simon machte direkt im oberen Teil der Strecke einen so verheerenden Fehler, dass er keine Chance mehr hatte, die verlorene Zeit aufzuholen. Endergebnis war schließlich Platz 27. Unsere Stimmung änderte sich schlagartig, als wir realisierten, dass unsere gesamte Planung und Wünsche in eine vollkommen andere Richtung einschlug. Naja, Planungen im Downhill sind eben unmöglich.

Es war natürlich schwierig in dieser Situation die richtigen Worte für Simon zu finden. Seine Enttäuschung war riesen groß und wir mussten viele Gespräche führen, um die Stimmung dann doch kurze Zeit später wieder deutlich anzuheben. Nun hieß es, alle Energie in Till´s Rennsonntag zu legen und das gesamte Team unterstützte Till bestmöglich.

Der Rennsonntag stand nun vor unserer Tür und auf Grund der neuen zeitlichen Strukturierung wurde der Rennsonntag richtig stressig. Um 8.30 Uhr bis 9.30 Uhr war das Training angesetzt. Eine knappe Stunde Pause muss reichen und ab 10.30 Uhr begannen die Finals der Junioren. Super stressig, zumal Till im Training einen Platten hatte und er erst um 9.45 Uhr im Zielbereich erschien. Bike reinigen, kurzer Bike Check durch die SRAM Crew und hoch zum Start.

Es blieb uns nur wenig Zeit vor dem Start, aber Till war ziemlich entspannt und freute sich auf seinen Rennlauf. Er wollte die Fehler der Quali ausbügeln und einen guten Rennlauf hinlegen. Wir bewegten uns zum Starthäuschen, nahmen nochmals Instruktionen der Verantwortlichen entgegen. Till ging ans Gate, er war mit Platz 20. der erste Starter am Sonntag. Die Uhr begann zu piepen, noch 10 Sekunden, der Countdown fiel auf 5 und Till presste sich aus dem Gate.

Am Ende war Till´s Rennlauf nicht perfekt, er blieb im Waldstück im Schlamm stecken, aber das Waldstück war fast unfahrbar und am gesamten Wochenende kamen gerademal 5 Fahrer ohne etliche Steher und Stürze durch diesen Streckenabschnitt. Am Ende reichte es zum elften Platz. Ein sehr solides und zufriedenstellendes Ergebnis.
Für Till war nun der erste Druck genommen. Nach seiner langen Rennpause und ohne ordentliche Trainingsmöglichkeiten den Winter über kann seine Saison nun starten. Also ab nach Leogang, wo das gesamte Team um Till, Felix und Simon an den Start gehen werden.

Daumen drücken für die Jungs!

Rennüberblick

Name Startnr. Klasse Run # Punkte Zeit
Till Ulmschneider 21 Pro Junior U19 male Seeding2005:27:918
Till Ulmschneider 21 Pro Junior U19 male Superfinal110folgt
Simon Maurer 45 Pro Junior U19 male Seeding2705:35:265

Bilder vom Renntag